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Planarien erkennen und bekämpfen

Nur allzuoft hört man direkt die Horrordiagnose "Planarie!!!", wenn man ein Foto von einem unbekannten Wurm (oder einem sonstigen Lebewesen im Aquarium ...) auf Facebook in einer Gruppe postet. Da hängt so viel dran, und viele Aquarianer haben schon völlig unnötig ihr Aquarium auseinandergenommen oder gar mit Gift behandelt (und machen wir uns nichts vor, die allbekannten Wurmmittel Panacur und Flubenol sind genau das - Gift), weil sie oder andere nicht genau hingeschaut haben.

Was ist eigentlich eine Planarie, und warum sind Planarien so gefürchtet?

Planarien aus der Familie Dugesiidae sind Plattwürmer und leben im Süßwasser. Sie sind räuberisch, fressen aber auch gerne Aas. Die Würmer (in der Aquaristik überwiegend asiatische Arten, aber auch heimische, die mit Tümpelfutter oder Deko aus Naturgewässern ins Aquarium kamen) sind zwar nicht so gefährlich, wie viele sagen, aber ganz harmlos sind sie auch nicht.

Eine ausgewachsene Planarie kann einer Garnele (vor allem einer frisch gehäuteten) durchaus gefährlich werden. Allerdings bevorzugen die Jäger eher weniger anstrengende Beute und begnügen sich eher mit Schnecken oder Würmern, ehe sie ein so großes Tier wie eine Garnele oder gar einen Zwergkrebs angehen - aber es passiert durchaus.

Video

Führen Planarien zu Massensterben bei Garnelen?

Massensterben im Garnelenaquarium aufgrund von Planarien gibt es eher nicht. Meistens ist es so, dass die Garnelen an etwas anderem sterben - einer schleichenden Vergiftung durch gammelnden Bodengrund oder an einer Infektion. Die Planarien fressen die toten oder auch die sterbenden Garnelen (da kennen sie nix) und vermehren sich dann aufgrund des reichlichen Futters stark. Der geneigte Aquarianer sieht viele Planarien und tote Garnelen und denkt sich seinen Teil - die Würmer waren das, jawoll!

Was passiert als nächstes? Man behandelt - und reinigt danach das Aquarium sehr gründlich, um die toten Planarien möglichst vollständig aus dem Aquarium zu bekommen. Die Garnelen hören auf zu sterben. Warum? Beim Durchmulmen des Bodengrunds wurden mögliche Gammelstellen entfernt, und beim großzügigen Wasserwechsel gleich auch noch 80-90% der Keime. Das Immunsystem der Garnelen wird entlastet, und sie hören auf zu sterben. Das hätte aber auch ohne Planarien funktioniert.

Foto: Planarien sind Fleischfresser. Sie fressen tote oder geschwächte Garnelen.
Auch frisch gehäutete Jungtiere können Planarien zum Opfer fallen.
Aber: an einem großen Garnelensterben sind die Planarien id.R. nicht schuld.
Häufig ist eine schlechte Wasserhygiene der Grund für das Garnelensterben.
Die Planarien nutzen dann nur aus, dass die Garnelen geschwächt sind und vermehren sich stark. 

Woran erkennt man eine Planarie?

Die meisten Würmer im Aquarium sind KEINE Planarien! Planarien erkennt man an einigen sehr eindeutigen Merkmalen. Zuerst einmal sind Planarien als Plattwürmer auffällig flach und im Verhältnis zur Länge ihres Körpers recht breit. Das ist das erste Ausschlusskriterium: Ein sehr dünner Wurm mit runden Querschnitt ist definitiv keine Planarie!

Oft hört man, dass Planarien einen dreieckigen Kopf haben - und dann wird alles, was vorne spitz ist oder grade irgendwie komisch um die Ecke kriecht, als Planarie bezeichnet. Zum einen haben tatsächlich nicht alle Planarien einen dreieckigen Kopf, und zum anderen ist der Kopf bei den Arten, die tatsächlich dieses Merkmal besitzen, deutlich dreieckig - wie eine Pfeilspitze.

Außerdem erkennt man Planarien an ihrem Augenpaar. Das haben sie tatsächlich immer! Es dient ihnen übrigens sogar zum Hell-Dunkel-Sehen. Auch andere Würmer haben Augen, aber nicht so große.

Der Mund, oder besser Schlund, der Planarie liegt nicht im Kopf, sondern mitten im Körper. Dort sieht man den Schlund als gut erkennbaren hellen Fleck. Planarien haben außerdem einen y-förmigen, stark verästelten Darm. Besonders bei Exemplaren, die grade zum Beispiel eine Posthornschnecke gefressen haben, kann man ihn sehr gut sehen.

Wenn man diese Merkmale im Hinterkopf behält, wenn man das nächste Mal einen Wurm sieht, ist die Identifizierung des Verdächtigen wirklich ganz einfach.

Foto: Hier kannst du die Augen der Planarie (Hell/Dunkel-Sehen) sehr gut erkennen.
Auch der Kopf hat die dreieckige Form - allerdings haben nicht alle Planarien dieses Merkmal. 

Planarien können sich übrigens aus kleinsten Teilen ihrer selbst vollständig regenerieren. Zerquetschen ist also so ziemlich das dümmste, was man machen kann - so bekommt man sehr schnell sehr viele Würmer!

Planarien vermehren sich zum einen durch Teilung (so steigen die Populationen ratzfatz an), zum anderen legen sie Eikokons, die vor Hitze (selbst Überbrühen überstehen sie), Kälte (bis -20 °C bei manchen Arten) und chemischen Einflüssen extrem gut geschützt sind.

Tatsächlich - Planarie gefunden, was nun?

Falle

Es gibt viele Leute, die sich mit den Planarien in ihren Garnelenaquarien arrangieren und lediglich die Anzahl der Würmer kontrollieren. Das geht 1A mit einer Planarienfalle. Sie wird mit etwas rohem Fleisch bestückt und über Nacht ins Aquarium gelegt - danach kannst du ernten. Achte darauf, dass das Fleisch in der Falle nicht gammelt - Planarien haben einen feinen Geruchssinn, und wenn es komisch müffelt, gehen sie nicht mehr dran. Es gibt auch spezielle Köder für Planarienfallen, sodass du nicht mit Fleisch herumhantieren musst. 

Eine Falle ist ein guter Weg, um die Planarienpopulation klein zu halten. Auch wenn anderweitig behandelt werden soll, ist es eine gute Idee, die Würmer zuvor so gut wie möglich mit einer Falle zu dezimieren, weil ansonsten die Wasserbelastung durch die abgestorbenen Planarien extrem ansteigen kann.

Foto: Das sind die Planarienfallen unserer Eigenmarke USCAPE.
Eine Planarienfalle ist ein guter Weg, um die Planarien in deinem Aquarium zu kontrollieren.
Gleichzeitig verhinderst du den Einsatz von Chemikalien. 

Panacur & Flubenol

Die gängigen Wurmmittel aus der Veterinärmedizin Panacur und Flubenol funktionieren ganz gut gegen Planarien, man muss aber verantwortungsvoll damit umgehen. Sie dürfen auf keinen Fall in die Kanalisation oder gar direkt in natürliche Gewässer gelangen - zu groß sind schon die Probleme mit Resistenzen in der Tierhaltung! Deshalb muss man das Aquarium nach einer solchen Behandlung zwingend mit Aktivkohle filtern und den Bodengrund extrem gut absaugen.

Wichtig: Schnecken überleben diese Behandlung in der Regel nicht - bei Flubenol sterben alle Schneckenarten im Aquarium, bei Panacur überleben nur Posthornschnecken, Blasenschnecken und Turmdeckelschnecken. Alle anderen Aquarienschnecken sind zum Tod verurteilt und können noch nach Monaten sterben, wenn man sie in ein solches Aquarium setzt!

Vor der Behandlung müssen daher alle Schnecken, die betroffen sind, aus dem Aquarium herausgefangen werden. Die toten Tiere würden das Wasser sonst stark belasten. Auch Planarien versucht man so gut wie möglich vorher mit einer Falle abzusammeln.

Auf keinen Fall darf man die Mittel überdosieren, weil sie auch für Garnelen ernste Nebenwirkungen wie Deformierungen oder Vermehrungsstopp haben können. Knifflig: Weil weder Panacur noch Flubenol eine Zulassung fürs Aquarium haben, gibt es auch keine offizielle Dosierungsanleitung! Die Mittel gibt es vom Tierarzt, der die Medikamente ausdrücklich fürs Aquarium umwidmen muss.

Bei Panacur nimmt man 0,5-1 mg Wirkstoff (Fenbendazol) auf einen Liter Aquarienwasser, bei Flubenol nimmt man 1 ml Wirkstoff (Flubendazol) auf 10 Liter. Weil es die Mittel in vielen verschiedenen Formulierungen gibt, müsst ihr selber ein bisschen rechnen (oder ihr fragt euren Tierarzt nach der richtigen Dosis). Beide Mittel bewirken, dass die Planarien keine Nährstoffe mehr aufnehmen können. Sie sterben nach 2-3 Tagen ab.

Die richtige Menge an Panacur oder Flubenol wird zuerst in einem kleinen Becher Aquarienwasser gründlich aufgerührt - die Mittel sind nicht wasserlöslich - und dann ins Aquarium gegeben. Stochert den Bodengrund gut durch, damit es auch die Planarien erwischt, die sich verbuddelt haben! Nach 5 Tagen machst du einen Wasserwechsel von etwa 50% und dosierst nochmal entsprechend die Hälfte der Menge Panacur oder Flubenol nach, die du am Anfang genommen hattest.

Nach weiteren 5 Tagen wechselst du nochmals 50% des Wassers und saugst den Bodengrund gründlich ab. Jetzt wird nicht mehr nachdosiert. Wir empfehlen, ein paar Wochen über Aktivkohle zu filtern, damit die Reste des Medikaments aus dem Wasser entfernt werden.

Wichtig: Planarien legen sehr resistente Eier, die gut vor Umwelteinflüssen geschützt sind, deshalb musst du das gesamte Prozedere 2 Wochen nach Abschluss der Behandlung unbedingt nochmals wiederholen!

Säure & CO2

Wem das alles zu viel Aufwand ist oder wer "Chemie" im Aquarium vermeiden möchte, kann auch auf eine Behandlung mit CO2 oder mit Säure zurückgreifen (jaaaa, wir alle wissen, dass Säure ebenfalls "Chemie" ist). Planarien lösen sich ab einem pH von 4 und darunter praktisch auf.

Wie man das Aquarienwasser so stark ansäuert, ob nun durch die starke Zugabe von CO2 (durch die Kohlensäure im Wasser entsteht, die den pH nach unten jagt) oder indem man direkt zum Beispiel Zitronensäure zugibt (Produkte zur Entkalkung von Kaffeemaschinen funktionieren hier super - bitte auf 100% reine Zitronensäure achten), ist eigentlich egal.

Wichtig: Alle tierischen Bewohner des Aquariums, die man behalten möchte, müssen vor dieser Behandlung herausgefangen werden, bei einem so tiefen pH-Wert springen auch Garnelen, Schnecken und Fische über die Klinge! Die Aquarienpflanzen überleben eine kurzfristige pH-Senkung aber in der Regel ohne Probleme.

Der Filter läuft weiter, und man stochert ebenfalls den Bodengrund gut durch. Nach etwa einer Stunde macht man einen großen Wasserwechsel (100%) und saugt dabei den Bodengrund sehr gründlich mit einer Mulmglocke durch.

Dann können die Tiere wieder zurück. Schnecken dienen allerdings häufig als Taxi für Planarien, sie solltest du definitiv nicht einfach so wieder ins Aquarium setzen, weil sie sonst die grade mühsam erledigten Planarien wieder einschleppen können. Sie setzt du deshalb für zwei Wochen in eine Aquarium ohne Bodengrund und ohne Filter (und natürlich auch ohne Pflanzen. Das ist nicht schön für die Schnecken, aber zwei Wochen schaden ihnen nicht. Hier arbeitest du wieder mit einer Planarienfalle und beobachtest gezielt, ob du Würmer siehst. Wenn du einen Wurm sichtest, verlängert sich die Quarantäne wieder um zwei Wochen. Siehst du über zwei Wochen gründlicher Beobachtung keine Planarien und gehen auch keine in die Falle, kannst du halbwegs sicher sein, dass die Schnecken keine Beifahrer haben.

Nach zwei Wochen musst du die Säurebehandlung (oder die Begasung mit CO2) nochmals wiederholen, um auch hier eventuell abgelegte Eier der Planarien zu erwischen.

Wie vermeide ich, überhaupt Planarien ins Aquarium zu bekommen?

Oft schleppt man sich die lästigen Würmer mit Pflanzen ein. Wenn du neue Pflanzen zunächst in Mineralwasser tauchst (es muss stark sprudeln und viel Kohlensäure enthalten), dann zwei Wochen in Quarantäne steckst und dann nochmals in Mineralwasser tunkst (jeweils ca. 30 Sekunden bis 1 Minute sind ausreichend), bis du auf der relativ sicheren Seite. Oder du kaufst gleich Invitro-Pflanzen, die von Haus aus keine Planarien mitbringen.

Frostfutter wird manchmal auch nachgesagt, dass Planarieneier enthalten sein können - hier hilft gründliches Durchspülen, genaues Hinschauen (Planarieneier sind kugelrund und braun und haben ca. 1 Millimeter im Durchmesser) und die Verwendung von hochwertigen Marken.